Kulturelles Leben im Dietrich Bonhoeffer-Haus

Wir freuen uns sehr in regelmäßigen Abständen verschiedene Künstler zu Konzerten, Ausstellungen und andere bunten Abenden im Dietrich Bonhoeffer-Haus begrüßen zu dürfen. Auf dieser Seite finden Sie jeweils den kommenden Termine für dieses Jahr. Außerdem haben wir Eindrücke vergangener Veranstaltungen gesammelt und für Sie zusammengestellt.

Kommende Veranstaltung:

"Al Dente" - Musik aus Paderborn am 26. Juni 2018 um 19 Uhr

Hinter "Al Dente" verstecken sich 10 Frauen aus Paderborn, die mit Engagement und Leidenschaft anspruchsvolle Vokalmusik gestalten. Die Sängerinnen interpretieren Jazz, Swing, Pop, deutschen Schlager und vieles mehr. Mal a-cappella, mal begleitet durch den Pianisten Thomas Polzin.

"Von Stravinsky bis Brubeck"

Klavier und Cymbal am 24. Mai 2018

Irina Shilina an der Cymbal (in Deutschland besser bekannt unter "Hackbrett") und Beate Ramisch präsentierten am 24.5.2018 in der ausgefüllten Erlebnisebene einen abwechslungsreichen Musikabend.

Frau Shilina hat für jedes Begleitinstrument ein anderes Programm. Und nachdem wir sie nun schon in Begleitung von Harfe und Akkordeon erleben durften, war nun das Klavier an der Reihe.

Das Spiel auf der Cymbal ist immer wieder faszinierend für das Publikum und einige Gäste ließen es sich nach dem Auftritt auch nicht nehmen, das Instrument näher zu betrachten und auch mal an den Saiten zu zupfen.

 

Andrea Bochmann

Hausleitung 

Klavierabend mit Julian Wolf

24. April 2018

Das Wichtigste des Abends sei vorweg genommen - auch für den Fall, dass das durchaus kunst- und musikliebende Auditorium das Besondere dieses Klavierabends nicht gleich oder voll realisiert: Es war eine Sternstunde zu nennen, die wir am Abend des 24.4.2018 erlebten, und zwar in zweierlei Hinsicht: Pianistik und Programm gleichermaßen.
Julian Wolf, ein noch junger, aber sehr begabter Pianist - wir lesen später noch von ihm - hatte sein ursprünglich avisiertes Programm "Wahrheit in der Musik" geändert und es explizit dem letzten klassischen Romantiker, Franz Schubert, gewidmet, und zwar dessen quasi letzter Sonate für Klavier in B-Dur (D 960).
Der Klaviervortrag begann mit 16 Tänzen vom Schubert-Franzl - leicht und gängig, vielen sicher bekannt. Dann folgte, gleich einem Donnerschlag, die Ankündigung des Solisten, es folge nun die Sonate B-Dur, womit auch sein abendlicher Vortrag ende. Er gab eine kurze Darstellung dieses Opus, das Musikwissenschaftliches in verständlicher Form vermittelte - Stichwort "Schicksals-Triller".
Verehrte Damen und Herren, die Sie gestern oder auch sonst häufig Gäste dieses Hauses gewesen sind, wissen, dass der Verfasser dieser Zeilen seit fast dreizehn Jahren Mieter des DBHes ist und ebenso lange Rezensionen über klassische Musikabende schreibt, die die Leiterin, Andrea Bochmann, initiiert. Mit dem gestrigen Abend ist ihr, auch durch die nicht vorhersehbare Änderung des Programms, ein herausragender Coup gelungen, der das Bonhoeffer-Haus als durchaus gleichberechtigten Veranstaltungsort kultureller Darbietungen Paderborns einreiht.
Über die Sonate ist so viel Kluges von begnadeten Interpreten, von kompetenten Musikkritikern und/oder -wissenschaftlern gesagt worden, dass es eine Anmaßung wäre, äußerte sich der Rezensent über Schuberts Spätwerk. Bleiben wir also beim Interpreten, Julian Wolf. Ein junger, noch "Lernender", wie er selbst meint, aber schon zahlreiche Meriten, Preise etc. vorzuweisen hat. Wir werden sicher noch viel von ihm hören, denn seine Interpretation dieses monumentalen Œvre lässt aufhorchen, weil sie erkennbare Akzente setzt. Was spielt es da für eine Rolle, wenn die Sonate prima vista vorgetragen wird (unterstützt von einem sehr aufmerksamen "maskulinen Wendemäuschen"). Julian Wolf zieht es, wie viele seiner großen Kollegen, an das Pult: Lässt er sich doch zusätzlich in der Übernahme des Dirigates ausbilden.
Mit dieser, einmal mehr allgemein gehaltenen Betrachtung schließt der Rezensent und dankt für einen sehr wertvollen, inhaltsreichen Abend, von dem man sich viele wünscht.
Kurt Sander     © 2018
Bewohner des DBHes

 

 

Klavierkonzert mit E-Hyun Hüttermann

30.1.2018

E-Hyun Hüttermann! Der Rezensent braucht diese herausragende Pianistin nicht vorzustellen - das tat er schon bei ihrem ersten Gastspiel vor fast genau einem Jahr und nimmt sich wieder die Freiheit, sie beim Vornamen zu nennen. Wie groß die Freude war, sie wiederzusehen bzw. -zuhören, bewies der stürmische Auftrittsapplaus.
Über ihr pianistisches Können zu schreiben, hieße Eulen nach Athen tragen, denn sie ist in technischer Hinsicht perfekt, und perfekt lässt sich nicht steigern (wenn man vom Umgangssprachlichen absieht, wodurch der Komparativ aber nicht legitimiert wird). Also wenden wir uns ihrer Interpretationsfähigkeit zu. Dafür bieten sich einige der vorgetragenen Stücke geradezu an. "Frühlingsrauschen" (Sinding), "Regentropfen-Prelude" (Chopin) und "Clair de lune" (Debussy) stehen oft auf den Programmen der Tastenzauberinnen. Mit dieser Auswahl hat aber E-Hyun, wie schon bei ihrem ersten Gastspiel, Empathie bewiesen für die Altersklasse des Publikums. Natürlich gibt es Musikliebhaber und -kenner auch in einer Senioren-Residenz. Doch gerade die älteren Zuhörer sind an die Harmonien und Melodien der klassischen Tonschöpfer gewöhnt. Würde E-Hyun aus ihrem umfangreichen Repertoire Stücke moderner oder der Atonalität verbundenen Komponisten vortragen, wäre der Beifall auch sehr stark - nur: Er gälte dann mehr dem pianistischen Können, der beeindruckenden Technik; die dissonanten, um nicht zu sagen kakophonischen Klänge würden mit Zurückhaltung aufgenommen, davon spricht sich der Verfasser dieser Zeilen auch nicht frei.
Das Anhören bekannter Kompositionen durch verschiedene Solisten bieten Kritiker und Auditorium größere Möglichkeiten der Beurteilung. Berücksichtigt man, dass die eben genannten Stücke - weniger von der Jahreszahl ihres Entstehens als mehr vom Charakter und Sujet her - der Romantik oder, noch treffender, der Biedermeierzeit (1815 - 1848) zugeordnet werden können, in der die sog. Salonstücke en vogue waren, wächst die Zahl der Möglichkeiten individueller Auffassung und Wiedergabe. Die Benennung Salonstücke hatte (und hat auch heute noch) einen pejorativen Beigeschmack. Das zu erklären, hieße näher auf die eben erwähnte Epoche einzugehen, was aber nicht der Sinn dieser Kritik sein soll.
Jedes OEvre enthält authentische Spielvorschriften vom Komponisten. "Salonstücke" vermitteln Harmonie und Wohlklang, Drama und Lyrik zugleich, verschattete Sehnsucht und assoziativ auch die Titelgebung. All diese Empfindungen umzusetzen ist nicht einfach. Denn sie verlangen Feingefühl, erkennbare Abgrenzung zur Sentimentalität, keine aufgeschäumten rubati (= frei im Vortrag). Genau das beherrscht und vermittelte E-Hyun uns mit hypersensiblem Ausdruck. Nehmen wir das Frühlingsrauschen und die Hüttermannsche Umsetzung: Sinding schreibt zu Beginn vor agitato, pianissimo (= bewegt, sehr leise); genau das hörten wir. Kein kaum gebändigtes presto (= sehr rasch), damit die Technik dominiert. Ein zartes Einsetzen des Melos pp (= pianissimo), der linken Hand anvertraut, wobei E-Hyuns sensibler Anschlag den Eindruck verstärkt, der Frühling könne sich nur schwer behaupten, der Winter weiche nur widerwillig dem nahenden, nicht aufzuhaltenden Frühling - zögerlich, mit ohnmächtigen Schauern körnigen Eises -  wie im Osterspaziergang  so treffend formuliert.
Verehrte Leserin, verehrter Leser: Der Rezensent ermahnt sich selbst an dieser Stelle nachdrücklich zur Kürze und verzichtet auf weitere Details. Sonst würde Chopins Regentropfen-Prelude allein eine Seite füllen mit dem basso ostinato, der das beängstigende Trommeln des Regens zu später Abendstunde plastisch vermittelt und zugleich Chopins Angst ahnen lässt - er, der zu Tode erschrak, wenn beispielsweise ein Diener unverhofft ins Zimmer trat. Und Clair de lune, diese impressionistische Kurzfassung der Mondschein-Sonate, erforderte weitere Zeilen. Deshalb das Fazit:
Die Fortsetzung einer Komposition ist deren Interpretation. Der Autor dieser Zeilen ist sich sicher: E-Hyun erntete postum ein zustimmendes Kopfnicken von oben, womit die aus dem Jenseits lauschenden Komponisten ausdrücken wollen: Die Interpretation deckt sich mit unseren Intentionen. Und wir Zuhörer erlebten eine interpretatorische Delikatesse, aus polyphonem Gewebe und feinziselierter Charakterisierung. Der Dank des Auditoriums: Lang anhaltender Applaus, z.T. Standing Ovation - zugleich überzeugendster Wunsch: Kommen Sie bald wieder, E-Hyun! Das meint auch
Kurt Sander     © 2018
Bewohner des DBHes

 

"Frau Nachtigall" trällerte im Dietrich Bonhoeffer-Haus

26.09.2017

Die Sommerpause ist zu Ende!
Unser erster Konzertabend danach wurde von „Frau Nachtigall“ bestritten. Das erfrischende A-Cappella-Quintett trat das zweite Mal im Dietrich Bonhoeffer-Haus auf und begeisterte gleichermaßen wie im letzten Jahr. Die Erlebnisebene war bis auf den letzten Stuhl gefüllt und abwechselnd andächtig gelauscht und herzhaft gelacht. Die komödiantischen Einlagen sowie sehr spritzige Texte der Lieder unterhielten das Publikum bestens. Leider wird es das Ensemble in dieser Form die nächste Zeit nicht mehr geben. Alle Sängerinnen sind in diversen anderen Projekten engagiert, so dass die „Nachtigallen“ nun auseinanderzwitschern.
Eine gute Nachricht jedoch: Drei der Musikerinnen kommen nächstes Jahr im Juni schon wieder in der Gesangsformation „Al Dente“ wieder zu uns.
Ein herzlicher Dank für die Spendenbereitschaft. Es wurde 121,43 Euro gespendet, die wieder der Ehrenamtsarbeit im St. Johannisstift zu Gute kommen.

 

Klassik mit Querflöte, Fagott und Klavier

29. März 2017

Verehrte Leserin, verehrter Leser!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen am Mittwochabend, dem 29.3., erging? Ich, der Verfasser dieser Betrachtung, fühlte mich zeitlich in das vorletzte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts und räumlich an die Weser, nach Hameln, versetzt. Dort lebte der Rattenfänger, der seiner Flöte solch einschmeichelnde Melodien und Töne entlockte, dass ihm die Kinder der Stadt wie hypnotisiert lauschten und blindlings folgten - allerdings in ihr Verderben, denn sie wurden nie wieder gesehen. Das war des Flötenspielers Rache an den Stadtvätern, die ihm den wohlverdienten Lohn vorenthielten.
Nun kann natürlich von Bösartigkeit beim Flötenspiel der Anna Sledkova keine Rede sein - und schon mal gar nicht von einer vorenthaltenen Gage. Also bleibt nur eine Parallele: Die Verzauberung durch die Töne, die sie ihrem Instrument entlockte, die uns auf den Sitzen geradezu gefangen hielten, andächtig lauschend den klaren, reinen Tönen, den Harmonien, den Meli der dargebotenen Stücke alter Meister. Wir haben Madame Anna schon einige Male hören und ihr Spiel genießen können. Sie ist europaweit bekannt, hat ihre Examina und Diplome mit besten Erfolgen absolviert und zahlreiche Preise und Ehrungen erfahren. Umso erfreulicher, dass sie trotz kontinentaler Verpflichtungen das Dietrich Bonhoeffer-Haus in Paderborn nicht vergisst!
Flöte als Soloinstrument, also ohne jegliche instrumentale oder vokale Begleitung, wäre gewöhnungsbedürftig, ohne basso continuo unvollständig. Deshalb hat Anna Sledkova ihren Begleiter am Klavier, Peter Brehmer, wieder mitgebracht. Er ist Konzertpianist, Dozent, Leiter der Musikschule Lippstadt und und und. Viele Zuhörer/innen wissen, dass ich ein autodidaktischer Pianist war - meine Finger wollen seit einiger Zeit nicht mehr so recht - und daher beurteilen kann, mit welcher Einfühlsamkeit Peter Brehmer akkompagniert (trotz "Fuß-Handicaps"). Ich persönlich wünschte mir, gleich vielen Anwesenden, ihn auch als Solisten zu hören. Denn Vivaldis Konzert in a-Moll wurde in der Transkription für Klavier und Fagott geboten. Bei diesem Musikinstrument, ebenfalls zur Gruppe der Aerophone (= Luftklinger) zählend, sind wir beim Junior Timo, dem ältesten Sohn der Soloflötistin. Timo hat erst vor ein paar Wochen sein 15. Lebensjahr vollendet, spielt seit rd. fünf Jahren Fagott, und das bereits mit bestem Können, wie er bewiesen hat. Die Erläuterungen über Bach, wie auch die Kommentare von Anna Sledkova zu den einzelnen Pieces, waren hilfreich. Nicht vergessen werden sollte, dass Timo vor längerer Zeit im Wettbewerb Jugend musiziert mit einem Preis ausgezeichnet wurde für das Improvisieren am Klavier - alle Achtung! Denn es geht dabei nicht nur um die Fingerfertigkeit, sondern vor allem um den Einfallsreichtum.
Fazit: Eine genussreiche, abwechslungsreiche Soiree, wie man sie sich wünscht und die wieder viele Musibegeisterte anlockte;  das bewies auch die große Zahl externer Besucher/innen.


Kurt Sander    c 2017
Bewohner des DBHes

Harfenkonzert mit Jenny Meyer

21. Februar 2017

Fast genau 2 Jahre ist es her, dass Jenny Meyer, damals noch als Jenny Ruppik, bei uns musiziert hat. Es schien höchste Zeit für einen weiteren Auftritt gewesen zu sein, denn unsere Erlebnisebene war bis auf den letzten Platz mit Gästen gefüllt. Trotz der Baustelle am Haus und der aktuellen Parkplatzknappheit fanden sich sehr viele externe Gäste pünktlich zum Konzertabend ein. Jenny Meyer präsentierte ihr Programm in einem wunderschönen Abendkleid und mit interessanten Information zu ihren Stücken. Bei dem ersten Stück des Abends von Alphonse Hasselmans ,La Source, was zu Deutsch, die Quelle bedeutet, hörte man das Wasser förmlich über die Kieselsteinchen hüpfen. Nach diversen Stücken von Claude Debussy, Domenico Scarlatti, und Gabriel Fauré konnte der Abend nicht ohne eine Zugabe beendet werden. Jenny Meyer verzückte ihr ohnehin schon begeistertes Publikum mit dem bekannten Stück "Drei Nüsse für Aschenbrödel" von Karel Svoboda. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass sich viele Gäste die Harfenmusik auf CD mit nach Hause nahmen. Aufgrund der zahlreichen Gäste konnten wir uns auch über ein gut gefülltes Spendensparschwein freuen, welches der Ehrenamtsarbeit im St. Johannisstift zugute kommt. Dafür sage ich herzlich Dankeschön!


Andrea Bochmann, Hausleitung

Klavierabend mit E-Hyun Hüttermann

24. Januar 2017

Am 24. Januar konnten die Leiterin des DBHes, Andrea Bochmann, und dessen Bewohner/innen die Pianistin E-Hyun Hüttermann begrüßen, die mit einem exquisit für Senioren zusammengestellten Programm aufwartete.
Es war eingebettet in Walzer von Johann Strauß (Sohn): "Wiener Blut", der das Auditorium einstimmte, und endete - vom Encore abgesehen - mit dem Walzer "Frühlingsstimmen". Mit diesen Klängen im Ohr traten alle den Heimweg an - in dem Bewusstsein, einen exzellenten Klaviervortrag erlebt zu haben.
Der Autor dieser Betrachtung verzichtet darauf, die einzelnen Pieces zu kommentieren - das führte zu weit; lediglich das Hauptwerk des Abends, die "Mondschein"-Sonate und deren Auslegung durch E-Hyun Hüttermann, bedürfen einer Kommentierung. Wichtiger ist die Solistin selbst.
E-Hyun - der Autor dieser Zeilen nimmt sich die Freiheit, nur den Vornamen zu nennen - ist gebürtige Südkoreanerin, lebt in Düsseldorf, wo sie ebenfalls als Klaviervirtuosin bekannt ist. Doch nicht nur regional, sondern interregional, ja international hat sie reüssiert. Dafür sprechen ihre zahlreichen Auftritte weltweit und die erworbenen Meriten: Anerkennungen, Preise, Auszeichnungen etc. Es führte zu weit, darauf näher einzugehen - überdies ist es überflüssig, denn der überzeugendste Beweis war, ist und bleibt ihr Spiel. Damit zielt der Rezensent nicht nur auf die Pianistik und ihre verblüffende Spieltechnik ab. Das Programm bestand aus bekannten Kompositionen, die durchweg traurig-schön, wehmütig, melancholisch klingen; durchaus gewollt von den Tonschöpfern, doch noch wesentlicher ist die Gabe des Sich-Hineinversetzen-Könnens der reproduzierenden Künstlerin. Diese Empathie darf längst nicht von jedem Solisten erwartet werden - so die Erfahrung des Rezensenten. Häufig dominiert gerade unter jüngeren Pianisten die Technik, mit der das Publikum beeindruckt und der Applaus gesteigert werden soll. Bezeichnend für die transportierte Intention der Komposition war auch das Stück von Arditi (1822 - 1903). Wer kennt schon diesen italienischen Tonsetzer? Der Verfasser dieser Zeilen bekennt offen, von ihm erst gehört zu haben durch einen erfüllten Radio-Hörerwunsch und recherchierte ein wenig. Arditi forderte u.a., seine Tänze müssten sowohl getanzt als auch gesungen werden. Die Wiedergabe durch E-Hyun war so vokalistisch-rhythmisch, dass dem Postulat voll Rechnung getragen wurde. Il Bacio - der Kuss wurde gefühl- und temperamentvoll zugleich auf die Tasten übertragen.
Ja, und dann die Mondschein-Sonate, opus 27,2 von Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)! Was hat dieses Werk nicht alles "erdulden" müssen an Benennungen, Bearbeitungen und Vereinnahmungen durch die U-Musik - von übertriebenen Interpretationen nicht zu sprechen. Gewiss, namentlich der erste Satz dieser von der klassischen Hauptsatzform abweichenden Sonate verleitet zu rubati (= frei imTempo) und sentimentaler Wiedergabe. Der Rezensent spricht sich selbst auch nicht davon frei bei seiner Interpretation in früheren Zeiten. Nicht so bei E-Hyun: Sie hielt sich streng an die widersprüchliche Spielanweisung. Die Sonate ist - wie auch opus 27,1 - überschrieben Sonata quasi Fantasia, also eine Sonate gleichsam wie eine Fantasie zu spielen. Eigentlich ein Gegensatz - aber nicht für unsere junge Meisterin. Sie gestaltete dieses Paradoxon (strenge Sonaten-Hauptsatzform versus Fantasie) intuitiv so, dass disziplinierte und freie Form überzeugend zum Ausdruck kam, als wenn sich - um Hegel zu bemühen - aus These und Antithese die Synthese ergab.
Vom zweiten Satz sagte Franz Liszt, er sei eine Blume zwischen zwei Abgründen - wie wahr! Das schlichte Melos wurde (korrekt stakkatiert) auch schlicht vorgetragen - so als wolle die Künstlerin den Unterschied zum dritten Satz, dem eigentlichen Hauptsatz und dessen Tempo Presto agitato = schnell, bewegt noch evidenter werden lassen. Viele Pianisten spielen es prestissimo = äußerst schnell, was zur Folge hat, dass die Technik zwar bewundert wird - s.o. -, aber die Nuancen der aufgelösten Toniken etc. nicht klar erkennbar bleiben. Davon kann bei der Wiedergabe durch E-Hyun keine Rede sein. Jeder einzelne Ton wurde "hörbar" gespielt, der Basso ostinato - in den ersten Takten -, klar erkennbar, auch in der geforderten Dynamik. Das ist nicht immer so, weil die über zwei und mehr Oktaven gehenden aufgelösten Akkorde zu größerer Lautstärke (und Pedalgebrauch) verleiten. Nichts davon bei E-Hyun.
Es gäbe noch viel zu sagen - sowohl zur Komposition als auch vor allem zur Interpretin, doch würde auch das den Zweck dieser Kritik übersteigen wenn das nicht schon der Fall ist. Eines aber muss unbedingt lobend anerkannt werden: Die Erklärungen zu den einzelnen vorgetragenen Stücken. In einem so verständlichen und unterhaltsam-amüsanten Deutsch, das den Zuhörern bestens gefiel und imponierte. Dafür uind die brillante Wiedergabe herzlichen Dank im Namen des Auditoriums.
Fazit: Ein Klavierabend, der allen in Erinnerung bleibt und den Wunsch nach baldiger Wiederholung spontan und damit ehrlich laut werden ließ durch den lang anhaltenden verdienten Applaus, für den sich die Solistin mit einer Zugabe bedankte.


Kurt  Sander     ©2017
Bewohner des DBHes
 

 

Weihnachtskonzert mit dem Paderborner Magellan Shanty Chor

6. Dezember 2017

Wieder einmal sorgte der Paderborner Shanty Chor für einen Konzertabend, an dem jeder verfügbare Stuhl besetzt war. Ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Weihnachtsliedern der Seeleute sorgte für gute Stimmung und hier und da sogar für Tränen der Rührung, als das Ave Maria erklang. Nach dem Konzert wunderten sich einige der Besucher, dass es so viele Weihnachtslieder gibt, die mit der Seefahrt zu tun haben. Neben diversen Soloeinlagen wurden auch kurze Geschichten, leise untermalt vom Klang der Mundharmonika oder simuliertem Wellenrauschen durch eine sogenannte Ocean Drum vorgetragen. Alles in Allem ein wunderbarer Nikolausabend, an dem das Lied: "St. Niklas war ein Seemann" perfekt passte. Dem Shanty Chor einen großen Dank für ihr Kommen und den Spendern für unsere Ehrenamtsarbeit ebenfalls. Es kamen 184,00 Euro zusammen.

Andrea Bochmann

Hausleitung

Klavierkonzertabend mit Pianistin Inga Kazantseva

15. November 2016

Am 15.11. gastierte die russische Pianistin im Dietrich Bonhoeffer-Haus mit einem klavieristisch wie auch kammermusikalisch anspruchsvollen Programm: Domenico Scarlatti und Franz Liszt.
Um es vorwegzunehmen: Wir erlebten eine pianistisch-interpretatorisch noch gereiftere Inga Kazantseva als die uns bislang bekannte. Ihr Spiel war kammermusikalisch-intim bei Scarlatti, technisch-bravourös bei Liszt. Alles wurde mit einem Höchstmaß an Empathie, mit traumwandlerischer Sicherheit, aber auch mit Elegance gemeistert.
Domenico Scarlatti - Sohn des nicht minder berühmten Vaters, Alessandro Scarlatti -  wurde 1685 geboren, im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel; mit letzterem verband ihn, obwohl sie gewissermaßen Rivalen waren, eine jahrelange Freundschaft. Scarlatti schuf weit über 500 Sonaten für Tasteninstrumente, von denen Inga Kazantseva einige vortrug.
Der klare Aufbau der (noch aus nur zwei Sätzen bestehenden) Sonaten Scarlattis wurde so überzeugend reproduziert, dass man sich unwillkürlich in die damalige Zeit versetzt fühlte und annehmen konnte, sie auf einem Cembalo vorgetragen zu hören, für die sie ja auch geschaffen wurden. Aufgrund des Anschlages und des Pedalgebrauchs - in der Regel besaßen Cembali solche nicht - entstand unwillkürlich dieser Eindruck. Eine empathiv-meisterliche, zugleich instrumental-assoziative Interpretation. Das Auditorium revanchierte sich mit spontanem Applaus.
Und dann Franz Liszt - die chronologische und musikdramaturgische Steigerung des Programms. Dieser Mondäne und Fromme, dieser "Tastenlöwe im Abbégewand" - er empfing 1865 die niederen Weihen -, Klaviervirtuose und der neudeutschen Schule zuneigender Komponist. Von ihm hörten wir sein Sonett del Petrarca 104. Beides - Begriff und Name - ist der Literatur zuzuordnen: Das Sonett ist eine Gedichtform aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen - zweimal vier und zweimal drei -; Petrarca: Ein im 14. Jahrhundert lebender Renaissence-Humanist, zusammen mit Dante (Göttliche Komödie) und Boccaccio (Decamerone) Begründer der frühen italienischen Literatur. Eine solch formal wie inhaltlich anspruchsvolle literarische Vorlage kompositorisch umzusetzen, dazu bedarf es in der Tat eines Genies wie Franz Liszt. Und diese Umsetzung auf das Klavier zu übertragen  - für Inga Kazantseva kein Problem: Drama und Lyrik, durchdacht und intellektuell interpretiert, Noten in Emotionen geradezu überwältigend dargeboten. Das traf auch zu auf die anderen Piéces des gleichen Komponisten, Sposalizio (= die Vermählung [Mariens]) und die Tarantella (= schneller, sich steigernder süditalienischer Tanz): Verzaubernd und irritierend zugleich, pulsierende Lebensfreude.
Das ist der Eindruck, den sicher nicht nur der Rezensent gewonnen hat: Eine Weihe der Töne, ein fulminanter Soloabend. Dafür bedankt er sich an dieser Stelle, stellvertretend für alle Zuhörer, ganz herzlich. Die Bitte, mit der Leiterin des Bonhoeffer-Hauses, Andrea Bochmann, baldmöglichst einen Termin für das nächste Gastspiel zu vereinbaren, ist spontan und nur folgerichtig. Vielleicht macht der lang anhaltende Beifall die Entscheidung leichter.


Kurt Sander     ©2016                                                                                                                                                         Bewohner des DBHes

 

Frau Nachtigall - a capella

27. September 2017

Am Dienstag, den 27.9. gastierten fünf Nachtigallen a cappella im DBH. Diese Musikgattung sollte kurz erläutert werden.
a cappella - in historischer oder italienischer Schreibweise a capella - bedeutet seit langem den Gesang einer Gruppe, eines Chores o.ä. ohne jegliche instrumentale Begleitung. Das war nicht immer so, doch führte es zu weit, auf früher verschiedentlich eingesetzte Musikinstrumente (Cembalo als basso continuo etc.) diesen musikwissenschaftlichen Terminus näher zu erklären. Wenden wir uns also den fünf Nachtigallen zu, deren Gesang und Anblick uns erfreute. Es muss jedoch gleich ein Irrtum aufgeklärt werden.
Das Substantiv Nachtigall erfordert - grammatikalisch betrachtet - den weiblichen Artikel:  Die Nachtigall. In natura singen aber, was vielleicht nicht so sehr bekannt ist, nur die männlichen Vertreter dieser ornithologischen Spezies. Doch Ornithologie hin, Femininum her: Der Gesang ist wunderschön und durch die Dichtung, namentlich die Liebes-Lyrik, idealisiert worden. Das bekannteste Beispiel lieferte uns Shakespeare: "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang..." aus Romeo und Julia - der Liebesvogel schlechthin. Doch zurück zu unseren nightingales.
Es war ein Genuss, sowohl visuell als auch stimmlich und vom Repertoire her. Dieses beschränkte sich zwar auf Folklore und Schlager bzw. allgemein bekannte Lieder, die schnell der Volksmusik zugeordnet werden, aber alle Nummern kamen beim Publikum gut an. A pro pos Auditorium: Der Saal der Erlebnisebene war knüppeldicke voll - kein Wunder, wenn eine so ins Ohr gehende Musik derart geboten wird. Das Gesangsquintett traf immer den richtigen Ton, nicht den der Notation - das versteht sich von selbst -, sondern bezogen auf die Art des Stückes oder die Intention des Textes resp. des Komponisten. Hervorzuheben ist auch die eigene Art des Arrangierens und der harmonischen Verteilung auf die einzelnen Stimmlagen. Der Rezensent erinnerte sich an ein Gesangsquartett - ebenfalls a cappella -, nämlich die Chordettes, das Mitte des letzten Jahrhunderts großartige Erfolge feierte, bevor der Geschmack in Rock 'n Roll übergang. Mit einem der Hits dieser vier Damen möchte der Verfasser diese Betrachtung beenden.
Die Chordettes sangen u.a. Hey, Mr. Sandman, bring me a Dream. In Anlehnung daran dankt der Kritiker dem Quintett und sagt I'm Mr. Sandman and congratulate warmly the five nightingales.

Kurt Sander alias "Mr. Sandman" © 2016
Bewohner des Dietrich Bonhoeffer-Hauses

 

Anmerkung der Hausleitung:

Von dem überraschenden Andrang bei diesem Konzertabend waren wir sehr erfreut. Alle Stühle, sowie die Emporen wurden benötigt, um allen Gästen Platz zu bieten. Besonders der Mittelteil des Abends, an dem das Publikum selbst aktiv werden musste, kam sehr gut an. Verschiedene Kanons wurden angestimmt und unter der fachlichen Anleitung von Marion Schäfers erklangen die zahlreichen Stimmen sogar dreistimmig.

Ein Hinweis der Gruppe: man kann die "Nachtigallen auch für private Feiern oder besondere Anlässe buchen. Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.frau-nachtigall.de/

Und dann noch ein herzliches Dankeschön an alle Spender: Es kamen unglaubliche 193,80 Euro zusammen für unsere Ehrenamtsarbeit. Der nächste Ausflug als Dankeschön für unsere Zeitschenker wird damit unterstützt.

Andrea Bochmann

 

Al Dente - Vocalensemble

28. Juni 2016

Kurz nach unserem Konzertabend am vergangenen Donnerstag, durften wir das Damen Vocal Ensemble "Al Dente" vor der Sommerpause präsentieren. Dieses Mal herrschten angenehmere Temperaturen als letzte Woche und so strömten die Besucher zahlreich in die Erlebnisebene. Nachdem mehrfach Stühle nachgeholt wurden und auch der letzte Gast seinen Platz eingenommen hatte, konnte das bunte Programm beginnen. Es bestand aus folgenden Stücken:

1. Thank you for  the music  ( Piano)
2. Tangostunde
3. Ich hab´ das Fräulein Helen
4. Lass mich dein Badewasser schlürfen
5. Wochenend und Sonnenschein
6. So schön kann doch kein Mann sein
7. Schöner Eduardo von Kastilien  (Piano)
8. Bei mir bist du schön (Piano)

Volksliederquiz

9.  Life is a Cabaret (Piano)
10.Diamonds are girls best friend
11.Der Mörder ist immer der Gärtner
12.Dein ist mein ganzes Herz (Piano)
13.May the road rise to meet
14.Al dente Song

Schnell wurde klar: Die 9 Damen können nicht nur wunderbar mehrstimmig singen, sondern haben auch eine gehörige Portion Humor. Der gesangliche Anspruch der musikalischen Leiterin, Marion Schäfers, ist sehr hoch, wie die Sängerinnen berichteten, dennoch nehmen sich die Damen selber nicht ganz so ernst und kokettieren sehr zur Freude des Publikums mit vermeintlichen Schwächen, z.B. beim Synchronisieren der Showeinlagen.

Gerade das aber machte den Abend aus. Der Spaß und die Freude, die auf der Bühne herrschten, sprangen mühelos auf das Publikum über und wurden mit sehr viel Applaus, der Einforderung von drei Zugaben und viel positivem Feedback honoriert. Ein besonderes Highlight war das Volksliederquiz, bei dem zwei Gäste aus dem Publikum Lieder erraten mussten, in denen Liedertexte zu Melodien anderer Lieder gesungen wurden. Hört sich erst mal nicht schwer an, aber so leicht war das gar nicht. Zwei menschliche "Buzzer", die piepsen mussten, wenn jemand die richtige Antwort wusste und auf den Kopf haute, machte das Spiel erst richtig zum gelungenen Spaß, wie die Fotos weiter unten zeigen.

Da wir keinen Eintritt für unsere Konzertabende nehmen, uns jedoch sehr über Spenden für die Ehrenamtsarbeit in der Altenhilfe freuen, machte sich die Zufriedenheit des Publikums auch in unserem "Spendensparschwein" bemerkbar. Es kamen 200,77 Euro zusammen.

Mehr Infos zum Ehrenamt.

Einen herzlichen Dank für diesen wunderbaren Abend!

Andrea Bochmann, Hausleitung

M-Trio "Facetten der Liebe"

Konzertabend im Rahmen von "Kunst und Spiel Hinter Höfen"

23 Juni 2016

Zusätzlich zu unseren monatlich stattfindenden Konzerten, gab es im Juni ein weiteres Highlight im Rahmen der vom Riemeke e.V. veranstalteten Festwoche "Kunst und Spiel hinter Höfen" http://www.das-riemeke.de/veranstaltungen/kunst-und-spiel-hinter-höfen.

Bevor Sie den Bericht unsers Mieters, Herrn Sander, lesen, der etwas aus seiner Sicht zu dem Programm schreibt, ist  mir als Hausleitung noch wichtig zu sagen: Es war ein wunderschöner, gelungener Abend, den das Trio trotz sehr hoher Temperaturen und schwüler Luft bravourös gemeistert hat. Auch Bewohner des benachbarten Perthes-Hauses nahmen in Begleitung der Leitung, Frau Hellwig und einigen Mitarbeiterinnen das Angebot wahr und hatten viel Freude an dem Konzertabend. Neben den Stammgästen, die treu zu unseren Veranstaltungen kommen, waren diesmal auch neue Gäste im Publikum. Ebenso hatten Bewohner und Mitarbeiter unseres Altenheimes Veranstaltungen der Programmwoche besucht. Es ist schön zu sehen, dass die Quartiersarbeit seine kleinen Früchte trägt und so Kontakte entstehen, die alle bereichern. Ein herzliches Dankeschön der Interessengemeinschaft "dasRiemeke.de", die den schönen Abend in unserem Hause ermöglichten.

Andrea Bochmann

Am 23.6. gastierte das "M-Trio" - bestehend aus Miriam Sasse (Mezzo-Sopran), Matthias Meyer (Bariton) und Markus Schulte (Piano) - mit seinem Programm "Facetten der Liebe" im Dietrich Bonhoeffer-Haus, das in die Veranstaltungen des Riemeke-Viertels Kunst und Spiel hinter den Höfen  integriert wurde. Mit Recht, meint der Verfasser dieser Zeilen, denn das Bonhoeffer-Haus mit seinen zahlreichen Programmen und Ausstellungen ist für Paderborn längst eine weitere, anerkannte Unterhaltungsstätte geworden.

Der Titel des M-Trios leitet sich, wie unschwer zu erraten ist und der Moderator, Herr Lomp, schon aufmerksam machte, alliterativ von den Vornamen der Künstlerin und Künstler ab (s.o.). Der Buchstabe M kann, so meint der Autor dieser Betrachtung, rein musikalisch noch vervielfacht werden, beispielsweise mit

M wie Maestri: Denn wie Meister/innen ihres Faches bot das Trio die einzelnen Pieces dar. Und deren waren nicht nur viele, sondern es wurden alle Genres der Muse Polyhymnia bedient, und das in einer künstlerisch-interpretatorisch hervorragenden Weise.

Und um beim 12. bzw. 13. Buchstaben des klassischen resp. modern-lateinischen Alphabets zu bleiben: Ob Melodie oder Melisme, Modulation oder  mezza voce, morendo oder molto, moderato oder moll:

Alle Ausdrucksmöglichkeiten wurden überzeugend  zum Auditorium transportiert, spiegelten die Intention des jeweiligen Komponisten wider. Da es aber kein a capella-Abend war, darf der Pianist nicht unerwähnt bleiben: Sehr einfühlsam, mit dezentem Anschlag, jedoch auch marcato dann, wenn es die Komposition verlangte. Ein Solo von ihm hätte den Auftritt bereichert und wäre auch gerecht gewesen.

Mit Recht trug das Programm den Titel Facetten der Liebe, denn beides ist interpretativ mannigfaltig: nuancenreich, voller Abwechslungen, bunt, variabel, vielseitig - hier beendet der Rezensent die Aufzählung und verweist nachdrücklich darauf, dass sich die Aneinanderreihung nur auf das Programm bezieht! Honi soit qui mal y pense - Ein Schelm, der Arges dabei denkt! (um Eduard III. und die Inschrift des von ihm gestifteten Hosenbandordens zu bemühen).

Das Programm des Trios reicht nicht bis ins 14. Jahrhundert, aber Kompositionen über die Liebe der letzten vierhundert Jahre sind mehr als ausreichend, Empfindungen der menschlichen Seele auszudrücken: Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt, melancholisch - träumerisch, inniglich - frivolisierend, es fehlte keine Regung, und das Jota: Alles mit einer Leichtigkeit und - sic! - Können, was keinen Zweifel aufkommen ließ, weder an der Gesangs- und Darstellungskunst, noch an der Fähigkeit des geistvoll-unterhaltsamen Entertainments, gespickt mit nützlichen, heiter vorgetragenen Informationen. Voila! Une soirée plus agréable - ein genussreicher Abend!  Das meint außer dem Auditorium und die Hausherrin, Andrea Bochmann - recht herzlichen Dank und Anerkennung auch ihr!

Kurt Sander © 2016
Bewohner des DBH

 

Duo Schoko

24. Mai 2017

Ein Abend der Gegensätze im Dietrich Bonhoeffer-Haus

So kann man die Abendstunden des 24. Mai nennen, denn jung spielt für alt - asiatische Solisten spielen für europäische Zuhörer - Barockmusik contra Moderne - Originaltonsetzungen in Transkriptionen.Damit wäre die Berechtigung für die Headline ausreichend bewiesen. Das bezieht sich aber nur auf den Text, das Konzertante war durchaus harmonisch und stimmungsvoll. Vivaldi, den Barock-Komponisten, in einem Arrangement für Violine und Gitarre zu hören, ist schon ein besonderes Klangerlebnis. Natürlich muss die Geige dabei sein, letztlich war der venezianische Komponist selbst ein bedeutender Violinist; der basso continuo  wurde von der Gitarre gekonnt übernommen. Beide Interpreten waren bestens aufeinander eingespielt, ihr instrumentales Können steht außer Frage. Trotz ihrer Jugend sind sie bereits pädagogisch tätig, haben zahlreiche Preise errungen, worauf die Hausherrin, Andrea Bochmann, mit Recht hinwies und sind international schon mit besten Erfolgen aufgetreten. Die Darbietungen wichen vom zunächst vorgesehenen Programm ab, was indes nur eine Bereicherung darstellte: Wurde doch dadurch die Bandbreite des Repertoires sichtbar. Manche zeitgenössische Tonsetzer sind dem Auditorium fremd und deren Pieces etwas gewöhnungsbedürftig. Doch die Dissonanzen mancher Stücke oder Passagen waren durchaus gut anzuhören - der Verfasser möchte es konträr ausdrücken: sie waren konsonant-dissonant. Alles in allem ein interessanter Musikabend, der den Zuhörern sehr gefallen hat - das bewies der gelegentliche Zwischen- und vor allem der Schlussapplaus. Wir danken den beiden jungen Künstlern und wünschen ihnen eine steile Karriere.

Kurt Sander © 2016
Bewohner des  DBH

 

Cymbal und Akkordeon

12 April 2016

Am 12.4. gastierte Irina Shilina wieder nach längerer Zeit im DBH - mit einem anderen Partner, nämlich dem Akkordeonspieler Alexander Hochhalter. Bei den bisherigen Auftritten waren Klavier und Harfe die Begleitinstrumente, die aber durchaus - wie auch bei der jetzigen Soiree - solistisch zur Geltung kamen.

Die Kompositionen im Einzelnen zu besprechen erübrigt sich für den Verfasser -  Irina Shilina übernahm das gekonnt.  Im Übrigen sind sie dem Auditorium auch bestens bekannt - z.T. sowohl von ihren bisherigen Gastspielen, als auch vom allgemeinen Musikverständnis der Zuhörer/innen her. Faszinierend bleiben indes der Klang des Instrumentes, wie auch immer wieder die Virtuosität, mit der Irina ihr Instrument beherrscht.

Über die Charakteristik des dem Hackbrett verwandten Cymbals soll nicht weiter gesprochen werden; der Autor hat es anlässlich einer früheren Darbietung ausführlicher getan. Das Cymbal hat viele Namen; die Bezeichnung "Hackbrett" wird im deutschsprachigen Raum benutzt, meist zu Unrecht pejorativ. Doch wer die Virtuosin noch nicht erlebt hat und womöglich mit diesem Vor-Urteil in den Musikabend ging, hat sich sehr schnell einen Besseren belehren lassen müssen. Es ist ja nicht etwa eine beliebige Musikantin, sondern eine seriöse, akademisch ausgebildete und mit vielen Preisen bedachte Künstlerin, die uns nicht nur erfreute, sondern Hochachtung abverlangte ob des wirklich hervorragenden Spiels mit den "Klöppeln".

Das Programm umfasste fast alle Musik-Epochen. Das beweist die Bandbreite des Repertoires der Spielerin, macht andererseits die Anwesenden bekannt mit den Komponisten für dieses etwas spezielle Instrument. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass einige Stücke Transkriptionen bzw. Bearbeitungen sind. Fest steht indes, dass Irina Shilina in allen Musikzeitaltern, in allen Stilen zu Hause ist und dem Publikum einen ungebrochenen Genuss bereitete. Das bewies der spontane und herzlich-lange Beifall, der zu einem Encore geradezu verpflichtete.

Nicht vergessen werden darf der zweite Solist dieses Abends, der Akkordeonist, Alexander Hochhalter. Auch er hat ernsthafte Studien betrieben, war selbst Dozent und ist durch zahlreiche Auftritte hier und im östlichen Ausland bekannt. Sein Solo interpretierte er gekonnt; es war die "wandernde" Melodie Mein Hut, der hat drei Ecken. "Wandernde Melodie" insofern, als Rodolphe Kreutzer sie, einen Gassenhauer, in seinem La carnaval de Venise verwendete, Paganini Variationen darüber als Carnevale di Venezia erfand - um nur diese beiden zu nennen.

Fazit: Ein gelungener Abend, für den wir auch der Hausherrin, Andrea Bochmann, herzlichen Dank sagen -  verbunden mit der Bitte, weiterhin anspruchsvollere (Musik-)Abende zu gestalten.

Kurt Sander ©2016
Bewohner des DBH

 

Schlager und Hits der 50er und 60er Jahre

23 Februar 2016

Am 23.2. gastierten Ulrike Pinhammer und Stefan Gerhard Braun wieder im DBH. Während der Pianist des Öfteren zu Gast weilt, trat Ulrike Pinhammer fast genau auf den Tag vor vier Jahren hier auf. In der vergangenen Zeit hat sich die Sängerin und Schauspielerin - um nur diese beiden ihrer zahlreichen anderen künstlerischen Tätigkeiten zu nennen - enorm gesteigert. Die Stimme ist wie je volltönend und von rauchigem Timbre - dort, wo es sein muss -, die Ausstrahlung gesteigert - kurzum: Vom ersten Augenblick an hatte Ulrike ihre Zuhörer voll im Griff. Keiner der Anwesenden konnte sich dem Charme, der Ausstrahlung der begabten Sängerin entziehen. Das Programm: Perlen einer Kette aus Hits, die alle kennen und lieben. Hinreißend vorgetragen, alle Zuhörer summten mit, bewegten sich im Takt auf ihren Sitzen, als wären Arteriosklerose und andere einschlägige Gebresten mit einem "Pinhammer" zertrümmert und pulverisiert worden! Die temperamentvolle Begleitung durch Stefan Braun, der sowohl vokal als auch pianistisch mit seinen Soli bzw. im "Duell" mit Ulrike glänzte, riss allen den Schmelz vom Zahn!

Es ist müßig, die einzelnen Nummern aufzuzählen und kommentieren zu wollen. Das Programm umfasste Schlager, Songs, Hits der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie alle waren dem Auditorium in bester Erinnerung - Kunststück: Waren es doch die Jahre, in denen Bewohnerinnen und Bewohner jung und aktiv waren, nach diesen Klängen und Melodien in den besten Jahren ihres Lebens gelebt und geliebt, getanzt und gefeiert haben! Da wurden Erinnerungen wach, man erlebte noch einmal die schönen Jahre der Jugend oder des Jungseins. Der Verfasser dieser Zeilen hat selbst allen Grund, sich mit dieser Betrachtung bei beiden Künstlern zu bedanken. Stefan G. Braun - das wandelnde Straf-Gesetz-Buch (oder Stefan Gerhard Braun) - entsann sich dessen bevorzugter Jazz-Komposition Lullaby of Birdland von George Shearing, den Ulrike und Stefan gekonnt intonierten und dem Rezensor ein Überraschungsgeschenk machten. Vielen, vielen Dank dafür, es war ein Genuss.

Nach diesem Abend, für den auch der Leiterin des Dietrich Bonhoeffer-Hauses, Andrea Bochmann, ein herzliches Dankeschön gesagt sei, muss das Schlagwort in Anspielung unselige Zeiten und auf den letzten Auftritt im Jahre 2012 heißen: Gebt dem Duo Ulrike & Stefan nicht wieder vier Jahre Zeit!

Ein wunderschöner Abend, der enorm viele externe Gäste ins DBH lockte und den Slogan unserer Stadt bestätigte:
                                                                                                     
                                                   

Paderborn überzeugt! Das Dietrich Bonhoeffer-Haus nicht minder!!

Kurt Sander    © 2016
Bewohner des DBHes

 

Klavier, Querflöte und Fagott

27. Januar 2016

Am 27. Januar herrschte wieder Freude im Dietrich Bonhoeffer-Haus: Die Soiree war überwiegend klassischer Musik gewidmet. Anna Sledkova, Flötistin – international bekannt und öfter Gast im DBH  –, bot den Zuhörern, zusammen mit ihrem ebenfalls international und auch hier bekannten Partner am Klavier, Peter Brehmer, ein exzellentes Konzert.

Der Verfasser verzichtet in dieser Betrachtung weitgehendst darauf, die Pièces kompositionstechnisch zu beleuchten – was auch ein wenig schwierig wäre, weil es sich zum Teil um Tonsetzer handelt, die ihm nicht bekannt sind. Auch soll das Instrument, die Querflöte, nicht noch einmal näher erklärt werden – das ist von ihm in der Rezension über den letzten Auftritt am 28.10.2014 schon gesagt worden. Viel wichtiger, interessanter ist - vor allem für das Auditorium - der musikalische Werdegang der Künstler; beginnen wir mit „Anna“:

Ihr Studium beendete sie 2007 – natürlich erfolgreich, mit einem dritten Diplom (Fach Kammermusik). Der Ehemann ist Solo-Paukist am Landestheater Detmold. Sohn Timo, der älteste der drei Söhne, ist - Sie ahnen es! - musikalisch/musikantisch ambitioniert, beherrscht das Fagott, und war auch schon, woran einige Zuhörer/innen sich noch erinnern, zu Gast im DBH; doch von ihm später. Man fragt sich beeindruckt: Wie bringt man Familie, langes Studium, erfolgreiche Examina und zahlreiche Gastspiele unter einen Hut?!

Peter Brehmer, auch ihn hörten wir schon als Begleiter und Solisten, studierte in Münster und Detmold - dort auch Komposition und Tonsatz. Parallel zur Tätigkeit als Pädagoge der Musikschule Lippstadt arbeitet er als Korrepetitor, Liedbegleiter und Cembalist. Seit knapp zwanzig Jahren leitet er das Neue Lippstädter Kammerorchester. In Verbindung damit leitet er freie Opernproduktionen und wurde 2002 als Gastdirigent nach Köln eingeladen, wo er u.a. die Aufführung Francis Poulenc' Orgelkonzert leitete - ein modernes Werk in barocker Form, mit ungewöhnlicher Besetzung. Eine großartige Aufgabe!

Ja, und dann haben wir noch die Jugend: Den bereits genannten ältesten Sohn der Anna Sledkova, Timo Vladimirskij, den wir schon 2014 hörten, heute mit der Feststellung: Sein Fagottspiel hat sich vervollkommnet. Im Wettbewerb "Jugend komponiert in NRW" 2015 errang er einen Preis: Den Lohn für das Improvisieren am Klavier.

Katharina Wagner (nomen est omen!) spielt seit mehreren Jahren Klavier, mit gutem Erfolg, wie wir vernahmen. Beide bereiten sich vor auf den Wettbewerb "Jugend musiziert", der am 30.1. hier in Paderborn stattfindet. Ihre heutigen Darbietungen sind Programm für den Wettbewerb in vier Tagen, also quasi eine Generalprobe, bei der - wenn der Bühnen-Aberglaube stimmt - einfach etwas schief gehen muss, damit der eigentliche Auftritt einwandfrei gelingt. Wir drücken die Daumen!

Die Sonate in G-Dur von Mozart - KV 11: Andante - Allegro - Minuetto -, das Einleitungsstück, komponierte Wolfgang Amadeus im Alter von acht Jahren in London. (Im Original ist es für Cembalo, Violine und Flöte gesetzt.) Anna Sledkova trug die Sonate klangvoll, mit butterweichem Ansatz vor. Peter Brehmer zeigte sich wieder als einfühlsamer, erfahrener Begleiter.

Bei Johann Sebastian Bachs Sonate in G-moll (BWV 1020) sind sich die Musikhistoriker nicht einig, ob nicht der zweitälteste Sohn Johann Sebastians, nämlich Carl Philipp, der Autor dieses Werkes ist. Doch das soll bei dieser kurzen Betrachtung unerheblich bleiben. Wichtig ist die Feststellung einer werkgetreuen Interpretation der gegebenen Tempi Allegro - Andante - Allegro. Das Cembalo, hier das Klavier, ist nicht nur Begleitinstrument im Sinne des Generalbasses. Der wird von der linken Hand intoniert, während die rechte auch melodieführend fungiert. Bewundernswert der lang anhaltende Ton im zweiten Satz: Kein Schwanken, glasklar. Der dritte Satz ist ein Schulbeispiel für die Epoche des Sturm und Drang (etwa von 1767 - 1785), benannt nach einem Roman von F.M.Klinger, der zunächst Wirrwar betitelt war.

Der Verfasser dieser Besprechung ermahnt sich selbst zur Kürze und verzichtet auf weitere Ausführungen zu den anderen Stücken. Er beschränkt sich auf die Feststellung: Wie gut, dass noch sehr viele Jugendliche, mit großem Talent ausgestattet, sich für Musik interessieren, und zwar auch sehr ausgeprägt für die der (Vor-)Klassik.

Fazit: Ein Musikabend, auf den schon viele gewartet und ihn doppelt genossen haben. Leichte Musiksendungen kriegen wir in den TV-Programmen en masse zu hören - umso begrüßenswerter, dass die seit Bestehen des DBHes geübte Praxis erhalten bleibt und noch ausgebaut werden wird. Garant dafür ist die Hausleitung, vertreten durch Andrea Bochmann. Vielen Dank!

Kurt Sander
Copyright 2016

Paderborner Magellan Shanty Chor

27. Oktober 2015

Dienstag, den 27. Oktober 2015 fand sich der Paderborner Magellan Shanty Chor in der Erlebnisebene ein. An diesem Abend trug der Raum wieder einmal seinen Namen zu Recht, denn wir haben einen tollen Abend "erlebt".

Die große Zahl an Sängern fand kaum Platz auf unserer Bühne, so dass kurzerhand die Band vor der Bühne positioniert wurde und der musikalische Leiter, Herr Isermann auf einen kleinen Tisch steigen musste, damit alle Chormitglieder ihn sehen konnten.

Neben zahlreichen Zuschauern aus unseren Einrichtungen und den "Stammgästen" erschienen auch  treue Fans, die zu jedem Konzert des Shanty Chores kommen. Das merkte man schon daran, dass nahezu jedes Lied begeistert mitgesungen wurde. Als dann die klassischen Seemannslieder in einem Medley angestimmt wurden, war der Saal nicht mehr zu bremsen. Alle stimmten in die Lieder mit ein, schunkelten und applaudierten nach Leibeskräften. Die unterhaltsamen Beiträge des 1. Vorsitzenden, Herrn Wiechers und die Solisten mit ihren witzigen Liedertexten sorgten für Heiterkeit und Kurzweil, so dass es selbst nach 3 Zugaben noch hätte weiter gehen können. Mit dem Versprechen, dass wir die "Shantys" nächstes Jahr im Dezember zu einem Weihnachtskonzert wiedersehen werden und einem kühlen Getränk nach dem Auftritt wurde sich herzlich verabschiedet. Mir als Hausleitung war es wichtig, mich für das Engagement des Chores zu bedanken, in unserer Einrichtung für eine "kleine Gage" aufzutreten. Wenn man bedenkt, dass der Chor ohne Probleme mit seinem Weihnachtsprogramm die ganze Paderhalle füllt, ist der soziale Gedanke, unseren Bewohnern solch eine Freude zu bereiten durchaus erwähnenswert.

Es war ebenfalls schön zu hören, dass es den Sängern und der Band bei uns so gut gefallen hat, dass sie auf jeden Fall wieder kommen wollen.

Andrea Bochmann

 

Soloabend am Klavier mit Ji Hye Lee

22. September 2015

22. September 2015

Am 22.9. fand ein Klaviervortrag der jungen, aber schon sehr erfolgreichen und mit mehreren Preisen ausgezeichneten Pianistin Ji-Hye Lee statt. Das Programm war auf die klassischen Komponisten ausgerichtet, doch der impressionistische Tonsetzer Debussy, als Mittler zwischen Romantik und Moderne, fehlte nicht und setzte den Schlusspunkt. Diejenigen Zuhörer allerdings, die sein überstrapaziertes Clair de lune erwarteten, wurden sicher entschädigt mit der brillant dargebotenen Suite Pour le piano

Der Abend begann (chronologisch folgerichtig) mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in F-Dur (BWV 880) aus dem 2. Teil des Wohltemperierten Klaviers. Was es mit dieser Bezeichnung auf sich hat, erklärte der Autor anlässlich eines Klavierabends, der nur aus den 24 Preludes opus 28 von Frédéric Chopin bestand und deren 24 Tonarten auf der "Erfindung" Ende des 17. Jahrhunderts des Musiktheoretikers Andreas Werckmeister basieren.

Präludium (= Vorspiel) und Fuge (lat. = Flucht, Bedeutung s.o.) gehören fast immer zusammen. Beides bot Ji-Hye Lee in bewundernswerter Präzision dar. Die drei Stimmen der Fuge wurden klar erkennbar und virtuos auf die Tasten übertragen - eine pianistische Spitzenklöppelei.

Es folgte die Beethoven-Sonate Nr. 22, opus 54. Sie wurde und wird nie so richtig gewürdigt, weil sie zwischen der Waldstein-Sonate (opus 53, der längsten), und der Appassionata (opus 57, der leidenschaftlichsten), steht oder, wie Barry Cooper, der englische Musikwissenschaftler, es formulierte: Ein Tal zwischen zwei hohen Bergen. Sie steht selten auf dem Programm der Pianisten; insofern teilt sie das Schicksal mit Beethovens opus 27,1 und opus 27,2, der "Mondschein"-Sonate.

Die nur zweisätzige Sonate opus 54 wurde von Ji-Hye Lee excellent interpretiert. Das lyrische Motiv am Anfang wurde einfühlsam vorgetragen, poetisch-ausdrucksvoll; der folgende, hämmernde Stimmungsumbruch - sempre forte e staccato - werkgetreu befolgt. Der zweite Satz ist technisch raffiniert: Permanente Wechsel im Rhythmus, ein Allegretto - mehr schon ein atemlos wirkendes Allegro -, bei dem aber trotzdem die akkordischen, harmonischen Zusammenhänge klar zu erkennen blieben. Die Tempi, kaum eine Schwierigkeit für Ji-Hye Lee, ließen die musikalische Struktur keineswegs zerbröckeln, der nuancierte Klang blieb erhalten. Zeitgenössische Kritiker dieses 1806 erschienenen OEvre waren der Meinung, inhaltlich weise es auf den künftigen Beethoven hin, stehe aber seinen bisherigen Sonaten etwas nach. Der Autor ist der Meinung, dass der "Titan des Klaviers" schon damals meinte, die traditionell bestehende (Sonaten-) Form brechen zu dürfen.

Balladen von Brahms, waren die nächsten Piéces, und zwar opus 10, Nr. 2 und 3. Der Begriff Ballade stammt, ohne hier auf die ethnologische Abstammung eingehen zu können, aus der Literatur und umfasst drei Hauptarten der Dichtkunst: Epik, Lyrik, Dramatik. Und so, wie die Dichter diese drei Gattungen verweben, spiegeln sie sich auch im Musikalischen wider - im Allgemeinen, bei Brahms im Besonderen. Ein gutes Beispiel ist Nr. 2 des opus': Nach zwei Takten der gegebenen Tonart (D-Dur) setzt bei synkopiertem Bass eine emotional-starke Melodie ein, die Brahms-gemäß entwickelt wird. Ji-Hye Lee meisterte sie und die folgende Ballade voller Empathie: Pointiert gestaltet, mit, wie der Autor meint, schon unverwechselbar-individuellem Ausdruck.

Den Schluß bildete die Suite Pour le piano von Claude Debussy, diesem noch im 20. Jahrhundert wirkenden Komponisten (+1918), aber der klassischen Tonalität trotz der impressionistischen Klänge sehr verbunden. Prelude (s.o.), Sarabande (Tanzform des Barocks) und Toccata (freie Komposition für Tasteninstrumente) spielte Ji-Hye Lee technisch souverän, mit einem feinen Empfinden für das Detail und einer Empathie für die Klangmagie des Instrumentes, denn gerade dieses Stück Debussys ist zum Händefalten gut anzuhören ist.

Zwei Manki gab es, die allerdings nicht der jungen Künstlerin angelastet werden können. Der Yamaha-Flügel klingt hart, was konstruktiv bedingt ist. Dadurch erschien der Anschlag manchmal maskulin. Und da bekanntermaßen die Akustik im DBH nicht die allerbeste ist, ließ die Interpretin den Flügel nur halb geöffnet, und das war gut so. Das konnte aber den Gesamteindruck, eine wirklich gute Pianistin gehört zu haben, nicht schmälern. Ji-Hye Lee bescherte dem DBH einen wundervollen Soloabend, auf den viele - Bewohner/innen wie externe Gäste, deren Zahl wieder groß war - sicher schon lange gewartet haben. Wir werden von dieser jungen Künstlerin hoffentlich noch viel hören und wünschen ihr eine steile Karriere.


Kurt Sander - Copyright '15
Bewohner des DBHes

20 Jahre Dietrich Bonhoeffer-Haus

27. Juni 2015

Am 27. Juni 2015 feierte das Betreute Wohnen und die Kurzzeitpflege im Dietrich Bonhoeffer-Haus des St. Johannisstift sein 20-jähriges Jubiläum. Mieter, Gäste der Kurzzeitpflege, Ehrenamtliche, Angehörige und Mitarbeiter versammelten sich, um auf 20 Jahre zurückzublicken, aber auch mit Optimismus in die Zukunft zu schauen.

"Wir freuen uns sehr, dass das Dietrich Bonhoeffer-Haus über die Jahre sich so großer Beliebtheit bei unseren Mietern und in der Bevölkerung erfreut", so Andrea Bochmann, Hausleitung des Dietrich Bonhoeffer-Hauses. "Die Mieter fühlen sich bei uns wohl und sind hier zu Hause, da war es für uns klar, dass wir dieses Jubiläum mit ihnen zusammen feiern möchten", so Andrea Bochmann weiter. Da in 5 Jahren das 25-jährige Bestehen sicherlich etwas größer gefeiert wird, lag der Schwerpunkt dieser Feier auf Geselligkeit und dem familiären Aspekt. Die Andacht unter dem Motto "Lob und Dank" wurde von Frau Hartwich-Stüwe und Herrn Lomp gestaltet. Mieter und Mitarbeiter vorlasen die Fürbitten. Herr Martin Wolf, Vorstand des St. Johannisstiftes und Herr Longinus Lomp, Einrichtungsleitung, übernahmen die Grußworte. Die Kurzzeitpflege ist seinerzeit zeitgleich mit dem Betreuten Wohnen in Betrieb gegangen. Seit 20 Jahren ist sie ein nicht wegzudenkendes Pflege- und Betreuungsangebot im Pflegenetzwerk des St. Johannisstifes.

Ein weiterer Programmpunkt war die Verabschiedung von Frau Doris Terbrüggen, die seit 2007 ehrenamtlich im Betreuten Wohnen tätig war und auch als Urlaubsvertretung von Frau Bochmann fungierte. Nach insgesamt 10 Jahren Ehrenamt im St. Johannisstift fiel der Abschied nicht leicht, aber mit vielen guten Wünschen und Geschenken wurde sie in den wohlverdienten Ruhestand entlassen.

Nach dem das vorher so unbeständige Wetter dann ab 15 Uhr nur noch Sonnenschein bereithielt, stand dem gemütlichen Teil mit Eis, Grillstand und kühlen Getränken nichts mehr im Weg. Die gesangliche und kabarettistische Unterhaltung von Antje Huißmann und Johannes Schäfermeyer rundeten das gelungene Fes ab. An dieser Stelle geht ein großer Dank der Hausleitung an das Team der Fleischerei Schröder aus Bad Lippspringe, dem Team von Getränke Dreps, Herrn Frank Brand, Küchenleiter des St. Johannisstiftes für die Organisation des tollen Eisstandes und natürlich "Else Mögesie" und Johannes Schäfermeyer für die mitreißende Show.

Jubiläum des Singkreises im Dietrich Bohoeffer-Haus

23. Juni 2015

Die positiven Ereignisse nehmen kein Ende in Paderborns bekanntem Seniorenheim!

Am Donnerstag, den 26.3.2015 wurde das zehnjährige Bestehen des hauseigenen Chores gefeiert. Im März 2005 gründete Monika Spiller einen Frauenchor, der sich inzwischen zu einem gemischten Chor entwickelte. Monika Spiller, von Beruf Friseurmeisterin, hatte von jeher viel Freude an Musik und verstand es, diese an interessierte und stimmbegabte Bewohnerinnen weiter zu vermitteln. Trotz ihrer beruflichen Belastung bildete sie sich in musikalischer Hinsicht weiter und absolvierte Kurse, in denen das Dirigieren von Chören gelehrt wurde. Dass sich dieses bezahlt gemacht hat - wenn man bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit von "Bezahlen" reden kann! -, merkt man an der Sicherheit und Routine, mit der die Dirigate erfolgen. Dabei sollte man eines bedenken: Es ist keine festes Ensemble, das "unsere Monika" leitet, sondern es sind oft andere Damen, die dazu gekommen sind, weil manch eine Sängerin aus den verschiedensten Gründen ausschied. Da heißt es also mit frischen Kräften beginnen - im doppelten Sinne. Trotz der Fluktuation konnten aber zwei Damen geehrt werden, die vom ersten Tage an dabei sind.

 

Wir gratulieren Monika Spiller zum heutigen Tage und wünschen ihr weiterhin die Lust und die Zeit (und natürlich die Kraft!), mit dem Chor zu musizieren und die Bewohner/innen des Dietrich Bonhoeffer-Hauses, oft auch externe Gäste, mit den gesanglichen Darbietungen bei den verschiedensten Gelegenheiten zu erfreuen - natürlich nicht, ohne ihr noch einmal ein ganz herzliches Dankschön für ihren Einsatz zu sagen, der schon von der Hausherrin, Frau Andrea Bochmann, ausgesprochen wurde, in Verbindung mit einem botanischen Strauß als Ergänzung zu den musikalischen Sträußen, die Monika Spiller und ihre Damen und Herren uns im Laufe der Jahre überreicht haben. Kurt Sander

Dietrich Bonhoeffer-Haus

05251 401-444