Unsere Geschichte
Fast 150 Jahre Dienst am Nächsten
1862 gegründet, nahm das St. Johannisstift am 15. Februar 1863 seine Arbeit als "Armen- und Versorgungsanstalt" auf, gegründet auf Beschluss der Paderborner Kreissynode und mit Spenden der evangelischen Gläubigen, um "alte, arme, kranke, sieche, verlassene oder sonstige hilfsbedürftige Glieder" der Paderborner Diasporagemeinde zu pflegen - Menschen, die von anderen Stellen zur damaligen Zeit keine besondere Zuwendung erhielten. Daraus hat sich bis heute ein leistungsstarkes, dienstleistungsorientiertes und wirtschaftlich gesundes Unternehmen der Diakonie in Paderborn und darüber hinaus entwickelt, das mit seinem Netzwerk aus Gesundheits- und Sozialleistungen allen Menschen in der Region offensteht.
Das St. Johannisstift am Rothoborn
Diakonischer Auftrag
"Dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe" (1. Joh. 4, 21). Die Worte des Evangelisten Johannes wählten die Gründer als Leitmotiv für das St. Johannisstift Paderborn. Wie das Logo, das Kronenkreuz und der Johannesadler mit der aufgeschlagenen Bibel, beschreibt der Vers aus dem neuen Testament den diakonischen Auftrag, den das St. Johannisstift erfüllt.
Die Anfänge
Zunächst bezieht das St. Johannisstift ein kleines Fachwerkhaus an den Paderquellen (Am Rothoborn 3). Fünf Männer und zwei Frauen finden hier am 15. Februar 1863 als Pfleglinge eine neue Heimat. Die Zahl der Aufgaben und Hilfesuchenden wächst schnell. Ein Umzug wird erforderlich. 1894 kann der Grundstein für ein neues Gebäude gelegt werden, am Neuhäuser Tor, der heutigen Reumontstraße in Paderborn, wo sich auch heute noch das zentrale Gelände des St. Johannisstift mit den meisten seiner Einrichtungen befindet. Im Neubau werden neben "Alten und Siechen" zunehmend auch Kranke stationär gepflegt. 1906 entsteht auf dem Nachbargrundstück die Höhere Mädchenschule und 1911 das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde. Das Paul-Fleming-Haus entwickelt sich bis zu seinem Abriss 1960 schnell zum zentralen Ort für das Gemeindeleben.
Das St. Johannisstift Anfang des 20. Jahrhunderts, links die Höhere Töchterschule.
Die Aufgaben wachsen
Im Ersten Weltkrieg verändert sich der Charakter des Hauses vom ursprünglichen Alten- und Siechenheim zum allgemeinen Krankenhaus. 1928 wird ein Kinderheim eröffnet. Eine Antwort auf die Nöte der Zeit, denn die Zahl der elternlosen Kinder steigt stetig an. Das St. Johannisstift öffnet sich auch für andere Konfessionen.
1939 verfügt Regierungspräsident von Minden die Auflösung der Höheren Töchterschule. Das Gebäude wird Hilfskrankenhaus. 1944 übernimmt die Stiftung die gegenüberliegende Landwirtschaftliche Schule und richtet dort eine Diphterie-Station ein. Im Zuge der alliierten Fliegerangriffe in den letzten Kriegswochen brennen Haupthaus und Kinderheim gänzlich ab; die vormalige Höhere Töchterschule und die benachbarte Abdinghofkirche werden stark beschädigt.
Nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau. Das Gemeindehaus dient als Notkirche, und das Krankenhaus unterhält seit Ende 1945 einen Notbetrieb in der Reumontstraße 30. Im April 1948 wird das neue Krankenhaus eingeweiht. Im Juni wird das Altenheim wiedereröffnet, wieder aufgebaut auf den Fundament des Kinderheimes. Im Dezember 1948 nimmt das Säuglings- und Kinderheim seine Arbeit wieder auf - in der früheren Höheren Töchterschule.
1959 öffnet ein neues Kinder- und Mütterheim. Das Krankenhaus wird von 1960 bis 1962 komplett auf über 200 Betten erweitert. Die neu gegründete Krankenpflegeschule begrüßt 1962 die ersten Schülerinnen. 1967 erhält das Krankenhaus einen neuen Bettentrakt. Das neue Altenheim bietet fortan 72 Menschen Heimat. Knapp 20 Jahre später erfolgt die Erweiterung des Altenheims auf über 120 Plätze. 1989 nimmt das Fachseminar für Altenpflege seine Lehrtätigkeit auf. Mitte der 1990er-Jahre ziehen die Krankenpflegeschule und das Fachseminar in die ehemalige Feldjägerkaserne an der Neuhäuser Straße. Der neue Name "Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe" spiegelt die erweiterten Lehrtätigkeiten wider.
Expansion über Paderborn hinaus
Die Stiftung expandiert über die Paderborner Stadtgrenzen hinaus. 1981 übernimmt sie das Ev. Kinderheim in Scherfede. Drei Jahre später ziehen die Kinder des Ev. Kinderheimes in Paderborn in das neu erworbene Haus in der Neuhäuser Straße 40. 1994 erfolgt die Übernahme des Ev. Kinderheimes in Lippstadt. Die drei Einrichtungen werden 1998 zur Ev. Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift GmbH zusammengelegt.
Auch die Altenhilfe wächst. 1994 übernimmt das St. Johannisstift das Ev. Seniorenzentrum von Bodelschwingh in Lippstadt. 1995 entsteht in Paderborn das Dietrich-Bonhoeffer-Haus mit betreuten Service-Wohnungen für Senioren. Hinzu kommt die Kurzzeitpflege für ältere Menschen. Mit der Übernahme der Diakoniestation des Diakonischen Werkes Paderborn im Jahr 1996 erweitert das Stift sein Angebot um die ambulante Pflege. 1999 gründet sich der assoziierte Ambulante Hospizdienst St. Johannisstift e. V.
Neuorganisation und Professionalisierung
Im Zuge der zunehmenden Professionalisierung erhält das St. Johannisstift 1986 eine hauptamtliche Geschäftsführung (heute: Vorstand). Fünf 100-prozentige Tochtergesellschaften werden gegründet. Die Stiftung stellt sich auf für neue Herausforderungen. Seit Ende 1990 ist das Qualitätsmanagement integraler Bestandteil der Unternehmenspolitik.
Zukunft beginnt jetzt
Im neuen Jahrtausend wird das Leistungsspektrum auf hohem Niveau konsolidiert und durch neue zukunftsweisende Angebote ausgeweitet. 2006 nimmt das Gefäßzentrum eine hochmoderne DSA-Anlage in Betrieb und erlangt 2007 die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA).
Am Bildungszentrum startet das Institut für Fort- und Weiterbildung. Es erweitert die Bildungsangebote für die Mitarbeiter des St. Johannisstift und spricht mit großem Erfolg zusätzlich interessierte Externe an. In Lippstadt entsteht 2008 der Pflegestützpunkt Lippstadt des Evangelischen Netzwerks Lippstadt, in dem das Evangelische Krankenhaus Lippstadt, die Diakoniestation am Evangelischen Krankenhaus Lippstadt und das Evangelische Seniorenzentrum von Bodelschwingh kooperieren.
Die Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift eröffnet im selben Jahr unter dem Namen "LIV - Leben ist Veränderung" eine Intensivgruppe für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen, psychosomatischen Krankheitsbildern und psychischen Erkrankungen.
2009 öffnet in Paderborn das neu erbaute Sophie Cammann-Haus die Türen. Das Haus und sein Angebot sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgerichtet. Im selben Jahr wird die geriatrische Einheit des Krankenhauses zur Geriatrischen Klinik aufgewertet. Die Geriatrie (Altersmedizin) ist die medizinische Fachdisziplin für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen bei älteren Menschen.
Anfang Juli 2010 nimmt das neue Regionalbüro der Kinder- und Jugendhilfe in Beckum die Arbeit auf. Sein Schwerpunkt ist die Elternaktivierung "Triangel" nach der Systemischen Interaktionstherapie (SIT).
Auch die Diakoniestation St. Johannisstift erweitert ihr Leistungsspektrum und zieht 2011 in die Borchener Straße 30 in Paderborn. Der ambulante Pflegedienst ist so als offene Anlaufstelle für alle Fragen rund um Betreuung und Pflege optimal erreichbar.
Ausblick
Aus dem Alten- und Siechenheim am Rande der Paderborner Stadtmauer ist in rund 150 Jahren ein nicht mehr aus dem sozialen Leben der Region wegzudenkender Akteur im Sozial- und Gesundheitswesen geworden.
Und der Fortschritt geht weiter: Seit 2011 entsteht auf dem zentralen Gelände an der Reumontstraße in Paderborn für die Geriatrische Klinik ein Neubau; nach der Eröffnung im Frühjahr 2013 wird er Platz für 45 stationäre und 15 tagesklinische Plätze bieten.
Die radiologische Praxis "Radiologie am Theater" nimmt Anfang 2012 zwei neue Magnetresonanztomografen (MRTs) im Krankenhaus St. Johannisstift in Betrieb. Damit verfügt das St. Johannisstift über einen der modernsten und schnellsten MRTs im Umkreis Paderborn. Und das Institut für Fort- und Weiterbildung bietet erstmals auch Fachfortbildungen für Hebammen und in der Geburtshilfe tätige Ärzte an.
Zeit ihres Bestehens hat die Stiftung bewiesen, dass sie sich auch schwierigen sozialen, politischen und finanziellen Herausforderungen zu stellen weiß und darauf neue Antworten geben kann. In diesem Geist wird das St. Johannisstift auch zukünftige gesellschaftliche Veränderungen bewältigen und immer wieder zeitgemäße Antworten auf die Erfordernisse der Zeit finden.
