Düfte stimulieren Seele und Geist
Aromapflege bei Menschen mit Demenz
Wohlriechende Düfte empfindet jeder Mensch als angenehm. Im Sophie Cammann-Haus St. Johannisstift Paderborn werden ätherische Öle eingesetzt, um einen Zugang zu den dort lebenden, an Demenz erkrankten Menschen zu finden. Gabriele Jenderek, gerontopsychiatrische Fachkraft und Anwenderin der Aromapflege im Sophie Cammann-Haus erläutert die Anwendung der ätherischen Öle. "Bei der Aromapflege handelt es sich um den gezielten und kontrollierten Einsatz von ätherischen Ölen in der Pflege. Sie ermöglicht es, die nonverbale Kommunikation von Menschen mit Demenz zu stärken und hilft eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Die ätherischen Öle stimulieren das Unterbewusstsein und können auf diese Art Erinnerungen wecken. Außerdem tragen sie zur Linderung von Beschwerden bei und schaffen Wohlbefinden."
Anwendung finden die ätherischen Öle im Haus bei Waschungen, Bädern, Massagen, Wickeln, Einreibungen, Inhalationen oder auch bei der Raumbeduftung. "Wir setzen ätherische Öle zum Beispiel bei Befindlichkeitsstörungen wie Unruhezuständen oder depressiven Verstimmungen ein oder auch bei körperlichen Beschwerden wie Erkältungen, Muskelschmerzen, Hautirritationen oder in der Wundbehandlung. Der Einsatz der Öle bei der Wundbehandlung muss allerdings gezielt mit einem Arzt besprochen werden", erklärt Jenderek. So werden die ätherischen Öle nur eingesetzt, wenn keine Allergien vorliegen. Zudem stimmt das Sophie Cammann-Haus selbstverständlich die Anwendung vorab mit den Bewohnern und Angehörigen ab.
Viele Menschen mit Demenz reagieren nicht mehr auf Worte. Düfte ermöglichen es, eine neue Kommunikationsebene zu finden, auf der den Menschen Geborgenheit und Wärme vermittelt wird. Der Körperkontakt ist dabei besonders wichtig. Handmassagen in Verbindung mit verschiedenen ätherischen Ölen können entspannen, Behaglichkeit und Wohlbefinden auslösen. Jenderek arbeitet mit rund 15 verschiedenen Aromaölen, die individuell auf die einzelnen Bewohner abgestimmt werden. Voraussetzung für die Verwendung der Öle ist, dass sie bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Sie müssen zum Beispiel zu 100 Prozent naturrein sein, damit sichergestellt ist, dass sie keine Pestizide oder allergieauslösende Stoffe enthalten.
Jedes Öl hat seinen eigenen Wirkungsbereich. "Einige ätherische Öle unterstützen die medikamentöse Wirkung, da sie antibakteriell, schleimlösend, schmerzlindernd und durchblutungsfördernd wirken können. Lavendelöl zum Beispiel wirkt bei Schlafstörungen, Angst und Erregungszuständen. Medikamente, die diese Symptome behandeln, können auf diese Weise reduziert oder sogar ganz abgesetzt werden", sagt Jenderek. Auch wenn die Aromapflege kein Heilmittel ist, optimiert sie dennoch die Pflege von demenziell erkrankten Menschen und gibt ihnen Wohlbefinden und Behaglichkeit.
Eine gute Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Demenz ist die Demenzsprechstunde im Ev. Altenheim St. Johannisstift. Die Sprechstunde findet jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr statt (außer an Feiertagen). Darüber hinaus können Interessenten individuelle Termine nach Absprache vereinbaren. Die Sprechstunde ist ein Angebot für ältere Menschen, für Angehörige und für alle Interessierten. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Ursula Fischer, Fachkraft für Gerontopsychiatrie, Telefon: (0 52 51) 4 01-76 02.
