Ausgezeichnete Bedingungen für Menschen mit Demenz
Sophie Cammann-Haus erhält Preis der Gradmann-Stiftung
Architektin Eva Matern, Einrichtungsleiter Longinus Lomp, Pflegedienstleitung Ulrike Kamphues-Janson und gerontopsychiatrische Fachkraft Ursula Fischer (2., 3., 4. und 6. v. l.) mit Vertreterinnen des Demenz Support Stuttgart, die für die Gradmann-Stiftung das Sophie Cammann-Haus besuchten
Die Architektur des Sophie Cammann-Hauses St. Johannisstift ist optimal auf Menschen mit Demenz ausgerichtet. Das bestätigte vor Kurzem die Liselotte und Erich Gradmann-Stiftung mit dem Gestaltungspreis 2011. Die Gradmann-Stiftung unterstützt hilfsbedürftige ältere Menschen, insbesondere durch Bereitstellung von Wohnraum und Betreuung. Seit 2001 vergibt sie alle zwei Jahre einen Preis für vorbildliche Gestaltung von Wohn- und Pflegebereichen für Menschen mit Demenz.
In einem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb werden besonders gelungene Beispiele ausgezeichnet. Die Ausschreibung erfolgt durch die Demenz Support Stuttgart gGmbH. Der Preis der Gradmann-Stiftung ist bereits die zweite Auszeichnung für das Sophie Cammann-Haus. Im Oktober 2011 würdigte der Architekturführer "Architektur in Ostwestfalen-Lippe ? Ausgewählte Bauten" die gelungene Architektur des Hauses.
Die Fachjury wählte das Sophie Cammann-Haus aus 25 Bewerbern aus. Bei der Preisverleihung im Rahmen des 6. Gradmann-Kolloquiums "Bauen. Wohnen. Versorgen" in Stuttgart erhielt das Projekt ein Preisgeld von 3.000 Euro. Das St. Johannisstift arbeitete bei der Erstellung und Umsetzung des architektonischen Konzepts eng mit dem Architekturbüro Matern und Wäschle zusammen. Diplom-Ingenieurin Eva Matern, Inhaberin des Architekturbüros, reichte das Projekt bei dem Wettbewerb ein. "Das 2009 eröffnete Sophie Cammann-Haus ist einzigartig in der Region Ostwestfalen-Lippe", berichtet sie und stellt Besonderheiten vor: "Die dreigeschossige Wohnanlage ist äußerst übersichtlich und transparent gestaltet. Es gibt zum Beispiel keine innen liegenden Flure oder Sackgassen. Wir schaffen dadurch eine optimale Orientierungsmöglichkeit für die Bewohner."
In ihrer Beurteilung hebt die Gradmann-Stiftung zudem unter anderem die hochwertig wirkende Innenraumausstattung hervor, die eine hohe Wertschätzung der Bewohner zeige.
Der Einrichtungsleiter Longinus Lomp und Pflegedienstleitung Ulrike-Kamphues nahmen an der Veranstaltung in Stuttgart als Ehrengäste teil. "Menschen mit Demenz brauchen eine Umgebung, die Erinnerungsdefizite ausgleichen kann und ihre Fähigkeiten fördert", erklärt Longinus Lomp die speziellen Bedürfnisse. "Ein hohes Maß an Lebensqualität für die uns anvertrauten Menschen ist unser Ziel. Das Sophie Cammann-Haus bietet dafür günstige Bedingungen, wie die Auszeichnung der Gradmann-Stiftung bestätigt." In ihrer auch kritischen Beurteilung gibt die Stiftung darüber hinaus Anregungen und Verbesserungsvorschläge. "Die Gutachter des Demenz Support Stuttgart haben einen anderen Blickwinkel auf die Einrichtung und bieten uns so gute Anreize zur Weiterentwicklung unseres Konzepts", sagt Longinus Lomp.
Ausgezeichnet wurden Neubauten, Anbauten und größere Umbauten von Pflegeeinrichtungen sowie ambulante Wohngemeinschaften, die speziell für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz konzipiert wurden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme war eine Betriebsdauer von mindestens zwölf Monaten.
Im Sophie Cammann-Haus befindet sich pro Etage eine Wohngruppe. Dort leben 22 bis 25 Bewohner in zwei Bereichen zusammen. Sie teilen sich die im Zentrum der Anlage gelegenen großzügigen Gemeinschaftsflächen, etwa die offene Wohnküche, den atmosphärischen Wohnzimmerbereich und eine großzügige Loggia. Die großen Gemeinschaftsflächen lassen ein hohes Maß an Teilhabe an der Gemeinschaft zu, ohne durch Enge eine Reizüberflutung zu provozieren. Es gibt einen großen geschützten Sinnesgarten, der den Bewohnern zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten bietet.
Für Angehörige, die sich für die Betreuungsmöglichkeiten im St. Johannisstift interessieren oder Informationen zum Thema Demenz benötigen, gibt es eine Demenzsprechstunde. Die Sprechstunde findet jeden Donnerstag (außer an Feiertagen) von 16 bis 18 Uhr statt. Darüber hinaus können unter Tel. (0 52 51) 4 01-76 02 individuelle Termine vereinbart werden.
Nähere Infos gibt es im Internet unter www.DemenzPaderborn.de.
Das Haus wurde mit 300.000 Euro gefördert durch die ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne".

