Liebe ist... ein musikalisch-literarischer Abend im Dietrich Bonhoeffer-Haus
Ja, Liebe ist mehr, als man gemeinhin darunter versteht oder dieses Wort interpretiert. Das haben uns Birgit Noll und Gerhard Gemke überzeugend und recht anschaulich bewiesen. Gewiss: Das fällt eigentlich gar nicht so schwer - man brauchte ja nur in der Literatur, quer durch die verschiedenen Epochen, zu stöbern, doch wer macht das heutzutage noch? Es ist ja viel bequemer, zu googlen und sich mit dem auf diese Art erworbenen "Wissen" zufrieden zu geben. Wie unterhaltsam und lehrreich zugleich ist da doch ein Abend wie der des 30.4.
Da kommen zwei Künstler ganz zwanglos daher, beginnen ihr Programm - so, als sei das Publikum gar nicht vorhanden oder von ihnen noch nicht bemerkt worden. Doch dann legen sie verbal und musikalisch los - so hinreißend, dass das Auditorium gebannt zuhört. Da nur wenige die gesungenen oder gesprochenen Texte dem richtigen Autor zuordnen können, kamen die Hinweise von Birgit Noll gut an.
Gut an kam natürlich sie selbst! Mit ihrer kultivierten Stimme setzte sie die Akzente genau richtig, das Timbre beim Vortrag der Lieder sehr angenehm, die Gestik und Mimik fein nuanciert - ein Genuss!
Dazu die exzellente Begleitung durch Gerhard Gemke, der auch in seinen Soli brillierte.
Die Auswahl der Texte war mit Überlegung und Studium (s.o.) gewählt, so dass der Titel Liebe ist... den Vortragenden viel Raum ließ für die Bedeutung dieses Wortes, dieses Begriffes. Alles in allem: Ein sehr wertvoller Abend - sowohl in kultureller als auch unterhaltsamer Hinsicht. Darum sei an dieser Stelle auch der Hausherrin, Andrea Bochmann, gedankt, die diese Veranstaltung arrangiert hat (und sich nebenher als Tonmeisterin und Beleuchtungsingenieurin erfolgreich betätigte).
Der Verfasser dieser Zeilen möchte es bei dieser Betrachtung belassen, aber zum Schluss einen Bogen schlagen zum Titel des Abends:
Dante lässt die (Göttliche) Komödie enden mit Die Liebe, die bewegt die Sonn' und Sterne! Und Kurt Sigel meint im Gedicht Chloe: Liebe - ein Fallschirm aus Luft und noch so prahlerisch. Zwischen diesen beiden Kurz-Zitaten liegen mehr als 6 Jahrhunderte (Anfang des 14. und Mitte des 20. Jahrhunderts) - unterschiedlicher kann man "Liebe" nicht interpretieren.
Kurt Sander © 2013
Bewohner des DBHes
elisir italiano
elisir italiano!
Unter diesem Motto stand die musikalische Veranstaltung am 26.2. 2013 im Dietrich Bonhoeffer-Haus und, um es vorwegzunehmen: Sie war ein voller Erfolg.
St.G.B. steht nicht für Strafgesetzbuch, sondern für Stefan Gerhard Braun, den weit über Paderborn hinaus bekannten Pianisten, der die Bewohner/innen des DBHes und viele externe Gäste schon oft exzellent unterhalten hat. Dieses Mal brachte er "Zwei kleine Italiener" mit - die aber keineswegs klein waren, weder an Körpergröße noch an künstlerischer Ausstrahlung.
Italienisches Elixier: ein landesspezifisches Wundermittel, ein Zauber, ein Stimulans - um nur ein paar Synonyme zu nennen: Das Motto des Abends wurde voll und ganz erfüllt.
Es wäre müßig, die Vielzahl der Programm-Nummern einzeln zu erwähnen. Der Verfasser dieser Zeilen lässt beim Schreiben dieser Betrachtung den Abend Revue passieren und widmet sich den musici. Da ist - Ladies first! - zunächst Antonietta Guarro zu nennen. Eine temperamentvolle, attraktive und gut anzusehende Sängerin, die die italienische Seele und Mentalität zutiefst verkörpert. Sie ist nicht nur reproduzierende Künstlerin: Sie textet und komponiert auch, und das - wovon wir uns überzeugen konnten - mit allerbestem Erfolg. Giovanni Gianfrancescos Gesang mit gleichzeitiger Begleitung am Keyboard vermittelten eine solche Musizierlust und -kunst, dass man sich wie ins Land, in dem die Zitronen blühen, versetzt fühlen konnte. Ja, und "Stefano Gerardo Bruno", der naturalisierte Ithaker, produzierte sich nicht nur am Piano und mit Gesang, sondern auch am Tenor-Saxophon. Das Trio interpretierte italienische Lieder, Songs und Oldies, die Welthits waren und auch z.T. heute noch sind. Von Adriano Celentano über Rocco Granata bis hin zu Eros Ramazotti - kurz: Ein Potpourri von den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Musiktitel, die gerade den Bewohner/innen eines Seniorenheimes bestens in Erinnerung und bekannt sind. Das bewies auch das Mitsingen oder -summen. Es war ein unterhaltsamer Abend, bestens geeignet für die ältere Generation, an der aber auch, das soll keineswegs verhehlt werden, Jüngere ihre Freude hatten. Denn das sehr große Auditorium wies auch sehr viele externe Gäste auf - kein Wunder! Ist das Kulturprogramm des Dietrich Bonhoeffer-Hauses doch weithin bekannt.
Die Hausherrin, Andrea Bochmann, konnte das Trio zu einer Zugabe animieren - o sole mio!, das durfte natürlich an einem solchen Abend nicht fehlen. Ist es doch Italien schlechthin. Denn beim nicht minder bekannten Arrivederci Roma hätte man in einem Seniorenheim annehmen können, der Text lautete Arrivederci Oma! (Anmerkung des Verfassers: Das kann kein Bewohner übelnehmen, denn er hat selbst die Mitte des neunten Lebensjahrzehntes erreicht!)
Kurt Sander © 2013
Bewohner des DBHes
Ungewöhnlicher Konzertabend im Dietrich Bonhoeffer-Haus am 29. Januar 2013
"Hör' ich Cymbalklänge....." - ja, wenn nur der Czardas aus Léhars Operette Zigeunerliebe und ähnliche Klänge dieses Genres erwartet wurden, gab es eine Enttäuschung. Doch dürfte sie nicht lange angehalten haben; denn was Irina Shilina aus diesem seltener zu hörenden Solo-Instrument zauberte, war überwältigend - Kunststück: Hat sie es doch nicht nur studiert, sondern ist mit zahlreichen Preisen und Ehren im In- und Ausland geehrt, ja geradezu überhäuft worden.
Gestatten Sie mir ein paar Bemerkungen zu dem Instrument. Es gehört zur Gruppe der Chordophone (= Saitenklinger) und ist dem Hackbrett verwandt (für das es viele andere Bezeichnungen gibt, die hier nicht aufgeführt werden sollen). Dass eine instrumentale Verwandtschaft des Konzert-Cymbals zum Hackbrett besteht, ist nur rein musikwissenschaftlich zu verstehen. Denn dessen Klang unterscheidet sich vom Hackbrett wie, salopp formuliert, dem der Piccoloflöte von einer Schiedsrichterpfeife. Die grandiose Beherrschung des Konzert-Cymbals und das Repertoire überzeugten auch den letzten Zweifler (wenn es den denn gegeben hat): Es reichte von der Klassik bis in die verschiedensten Richtungen der U-Musik - was dem Auditorium genehm war und den beiden Virtuosinnen die Möglichkeit gab, die Bandbreite ihres Programms vorzuführen.
Irina und Magdalena begannen den Abend mit der Sonate in g-Moll von Felice Dall'Abaco, einem Violinisten, Cellisten und Komponisten des Barocks. Die aufkommende strenge Sonatensatzform dieses ursprünglich für zwei Violinen und basso continuo geschriebenen Stückes spiegelt die italienische Mentalität wider, verstärkt durch das ansprechende Melos aller vier Sätze. Über die Stephanie-Gavotte braucht nicht viel gesagt zu werden: Fast jeder kennt sie, jedoch bringt man den Komponisten nicht gleich mit einem Militärkapellmeister in Verbindung, der Czibulka ja gewesen ist.
Die Musette bzw. Valse musette ist ein typisch französisches Musikstück; charakteristisch ist das Akkordeon, doch die Darbietung für Cymbal und Harfe ist eine interessante Transkription. Das gilt auch für die Tänze aus Schottland und Irland (Country Dances/Reels), die eigentlich vom Dudelsack dominiert werden, deren Umsetzung auf Cymbal/Harfe etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr gut anzuhören waren.
Chopin hat fast ausschließlich für das Klavier komponiert. Sein Walzer a-Moll (opus 34,2), den Wladimir Horowitz seinerzeit in eine "kleine Tragödie" verwandelte (so Joachim Kaiser), klingt auf dem Cymbal so völlig anders, aber keineswegs fremd. Die Schwermut, die auch im mittleren, in (A-)Dur stehenden Teil nicht weichen will, vermittelte das Duo beeindruckend, wenngleich mit leichten melodisch/akkordischen Abweichungen.
Es soll nicht jedes der dargebotenen Stücke beschrieben werden - das führte zu weit und würde vermutlich kaum jemanden interessieren. Wenngleich das Konzert-Cymbal im Vordergrund stand, darf die Harfenistin, Magdalene Walesch, nicht unerwähnt bleiben. Auch sie beherrschte ihr Instrument meisterhaft und spielte sehr einfühlsam. Nach Darbietung der ersten Programm-Nummern spürte man die Harmonie zwischen beiden Künstlerinnen, aber auch die klangliche Zusammengehörigkeit beider Instrumente - so, als wenn die Originalkomposition speziell für Cymbal und Harfe komponiert worden wäre. Und noch eines muss einfach erwähnt werden: Der Charme der beiden Interpretinnen. Man konnte fast vermuten, sie seien auf dem Wege zum Siegerpodest einer Miss-Wahl.
Die Hausherrin, Andrea Bochmann, animierte die beiden Solistinnen zu einem Encore, das aus dem "Türkischen Marsch" von Mozart bestand. Dieses Stück teilt das Schicksal anderer Kompositionen hinsichtlich des Bekanntheitsgrades/der Bezeichnung, denn kaum jemand weiß, dass es sich dabei um den Schluss-Satz "alla turca" der Klaviersonate KV 331 handelt.
Alles in allem: Ein sehr wertvoller musikalischer Abend, der wieder viele externe Gäste anlockte. Die kulturellen Veranstaltungen des Dietrich Bonhoeffer-Hauses sind bekannt für ihr Niveau, das sie von jeher hatten und das auch behalten werden wird.
Kurt Sander © 2013
Bewohner des DBHes
